Zwischen Zäunen, und dem Tag der Arbeit

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Am zweiten Tag führte mich mein Weg in Hévíz wieder direkt ins Zentrum. Mein Ziel war klar gesteckt: Ich wollte den berühmten Thermalsee erleben. Von meiner Unterkunft aus ist es nur ein gemütlicher Spaziergang von etwa 15 Minuten, doch vor Ort folgte die Ernüchterung – der See ist weiträumig eingezäunt.

Wie ich lernte, gehört das Areal zum **Sanatorium St. Andreas**. Da ich als Journalist unterwegs bin, benötigt der offizielle Zugang eine Genehmigung, die jedoch frühestens am Montag erteilt werden kann. So blieb mir der direkte Blick auf das Wasser vorerst verwehrt. Den Thermalsee hebe ich mir also für später auf.

Stattdessen flanierte ich durch den gepflegten Kurpark. Ein Glücksfall, denn dort kam ich mit einem Einheimischen ins Gespräch, der mir einen wertvollen Tipp gab: eine alternative Badestelle direkt am Bach, der vom Thermalsee abfliesst.

Mein Weg führte mich vorbei am Campingplatz, der auffällig stark von Gästen aus der Slowakei und Tschechien geschätzt wird. 

Kurze Zeit später erreichte ich den besagten Platz. Es ist wichtig zu wissen: Das Baden ist nur an genau dieser Stelle erlaubt. Man sollte sich auch nicht zu weit flussabwärts wagen – schon nach etwa 100 Metern gibt es wohl recht aggressive Fische, wurde mir berichtet.

Die Szenerie dort weckte in mir sofort Heimatgefühle. Es erinnerte mich an mein Zuhause in Baden – ebenfalls eine Bäderstadt. Dort gibt es kostenlose Badebrunnen, die vor allem von den Einheimischen genutzt werden. Es ist diese schlichte, bodenständige Art, das Heilwasser zu geniessen, die eine Bäderstadt erst wirklich ausmacht.

Auf dem Rückweg umrundete ich den See auf der anderen Seite. Schliesslich kehrte ich zur Stärkung in einer kleinen Kneipe ein: Ein kühles Bier und eine feine Käseschnitte waren genau der richtige Abschluss für diesen Erkundungsgang. 

Mein bisheriger Eindruck: Wer eine gezielte Badekur sucht, wird wohl eher die spezialisierten Anwendungen in den Kurhotels oder direkt in der Klinik St. Andreas in Anspruch nehmen. Den Thermalsee selbst empfinde ich aktuell eher als ein Freizeitbad. Dennoch werde ich ihn definitiv noch besuchen, schließlich ist Hévíz genau dafür weltbekannt.

Heute war zudem der 1. Mai, der Tag der Arbeit. Bei einer stillen Vesper habe ich meine Lieder gepflegt und etwas nachgedacht. Ein wenig vermisse ich die Feierlichkeiten zum 1. Mai, wie ich sie kenne. Es ist eigentlich eine gute Zeit, um über die Zukunft zu sprechen – und vor allem über das Engagement, das uns alle verbindet.


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